Dänemark Reportagen:
Mit dem Märchenpass durch Odense
Touristenkarte verzaubert die ganze Familie
Odense, die Geburtsstadt Hans Christian Andersens, feierte im Jahr 2005 den 200. Geburtstag des dänischen Märchendichters. Ein spezielles Stadtticket lädt auch im Sommer 2006 die Gäste ein, auf den Spuren Andersens zu wanden und die Sehenswürdigkeiten der fünischen Hauptstadt zu entdecken:
Ein Scherenschnitt von Andersen schmückt die Touristenkarte, die es beim Odense Turist Bureau, den Städtischen Verkehrsbetrieben und den Dänischen Staatsbahnen zu kaufen gibt. Nach Wunsch 24 oder 48 Stunden gültig, macht der Märchen Pass den Stadtbesuch märchenhaft einfach. Das fängt bereits bei der Beförderung an: Während der Gültigkeit gilt freie Fahrt auf al-len Buslinien der städtischen Verkehrsbetriebe.
Mittelpunkt des historischen Odense ist das Rathaus. Auf dem großen Freiplatz Flakhaven blickt ein liegender Riese zu dem zinnenumkränzten Bau von 1881-83 auf. Während des Sommers können die Innenräume mit dem Märchenpass kostenlos besichtigt werden.
Auf der Rückseite des Radhuset liegt die Touristeninformation. Hier beginnen auch die kostenlosen zweistündigen Stadt-rundgänge zur Stadtentwicklung vom Mittelalter bis zur Neu-zeit. Danach ist Kondition gefragt: 15 Attraktionen warten darauf, kostenlos entdeckt zu werden. Den Auftakt macht ein mär-chenhaftes Trio. Im Hans-Christian-Andersen-Haus erzählen Briefe, Fotos und wertvolle Werkausgaben vom Werdegang des Dichters, der als armer Schusterjunge 1805 in diesem Haus geboren wurde.
1807, als aufgeweckter zweijähriger Knirps, zog Andersen in die Munkemollestrade. In dem gelb gestrichenen Fachwerk-haus lebte der Junge, der gerne mit Puppen spielte, bis er 14 Jahre alt wurde – und nach Kopenhagen ging, um dort zum Dichter zu werden.
Im Kinderkulturhaus Fyrtojet (Feuerzeug) werden Andersens Märchen wieder lebendig. Zur Begrüßung geschminkt und kostümiert, können Kinder ab drei Jahren in den Gängen des Hauses von Märchen zu Märchen reisen und ihre Erlebnisse im ersten Stock ausdrücken – beim Malen oder Musizieren. Im Keller vergeht mit Märchenlesungen und Theaterspielen die Zeit im Fluge.
In
Odense sind Kunst und Kultur genauso allgegenwärtig wie das Portrait und die Figuren des Märchendichters. Viele kulturelle Aktivitäten sind in Brandt’s Kladefabrik konzentriert. In vier großen Hallen, in denen bis 1977 Spinn- und Webmaschinen standen, zeigt die Kunsthalle internationale und dänische Kunst in allen Facetten: Malerei, Design und Kunsthandwerk.
Im zweiten Stock befindet sich Dänemarks einziges Museum für Fotokunst. Arbeitende Werkstätten für Buchdruck, Lithografie, Buchbinderei und Papierherstellung geben im Dänischen Gra-phischen Museum und Dänischen Pressemuseum faszinierende Einblicke in Vergangenheit und Gegenwart des Druckgewerbes.
Carl Nielsen ist der zweite große Sohn der Hauptstadt Fünens. In einem weiß gekalkten, reetgedeckten Haus zwölf Ki-lometer außerhalb von Odense verlebte der Komponist seine Kindheit bis zur Konfirmation im Jahr 1879. Im Stadtzentrum schildert das Carl-Nielsen-Museum, begleitet von Nielsens Musik, Leben und Werk des Komponisten und seiner Frau, der Bildhauerin Anne Marie Carl-Nielsen.
Kein Museum, sondern kreativer Treffpunkt für bildende Kunst und Design ist die Kunsthalle Filosofgangen. Wie Kunst entsteht, zeigt die Grafische Werkstatt Fünens, in der 200 Künstler arbeiten und ihre Werke anbieten. Für Bildhauer hält der barocke Herrensitz Hollufgard Gästeateliers bereit.
Die anderen Räumen des Gutes beherbergen das archäologische Museum mit seiner umfangreiche Sammlung an Medaillen, Münzen und Funden aus der Frühgeschichte Fünens vor 10.000 Jahren. Einblicke in den Alltag vor 3.000 Jahren vermittelt das rekonstruierte Eisenzeitdorf. Sämtliche Hütten sind arbeitende Werkstätten.
Das Leben auf dem Land um 1900 wird im Freilichtmuseum „Den Fynske Landsby“ wieder lebendig. Aus 25 ländlichen Gebäuden – Fachwerkhöfen, Schmieden, Mühlen und dem Gasthof Sortebro Kro – entstand ein fünisches Dorf. Auf dem Dorfteich schwimmen Enten und Gänse, in den Ställen grunzen Schwei-ne. Kutschen ruckeln über die sandige Dorfstraße. Auf den um-liegenden Feldern arbeiten Bauern mit robusten Rössern im Geschirr.
Von Mai bis September verkehren die Ausflugsschiffe zwischen Munke Mose und Fruens Boge mit Zwischenstopp am Odense Zoo. Dieser wurde im Jahr 1997 eröffnet und zeigt Tiere aus allen Kontinenten in naturgetreuer Umgebung. 2001 kam als neueste Attraktion das Oceanium hinzu, eine Reise durch Südamerika. Vom tropischen Regenwald, wo Seekühe und Piranhas zwischen Mangro-venwurzeln schwimmen, wandert der Besucher zu Korallenrif-fen mit farbenprächtigen Fischen, bis er die Südspitze des Kontinents erreicht, wo Pinguine in einer Fels- und Eislandschaft bei Minusgraden leben – selbst im Sommer.
Der Märchenpass lädt auch zur nostalgischen Reise in die Technik ein. Im DSB Eisenbahnmuseum lassen sich auf mehr als 10.000 Quadratmetern 150 Jahre Bahn- und Fährgeschichte erleben: auf den harten Holz-bänken in einem Coupé der dritten Klasse, im eingedeckten Speisewagen der Wagon-Lits oder im Führerstand einer Dampflok. Neueste Attraktion ist der Salonwagen des dänischen Kö-nigshauses, der von 1937 bis 2001 in Betrieb war. Das Europä-ische Automobilmuseum beleuchtet mit 120 Fahrzeugen den Verkehr des "Goldenen Zeitalters" des Autos in den 50er Jah-ren. Hier gewährt der Pass einen Rabatt von 25 Prozent.
Nach all diesen Eindrücken ist Erholung angesagt. Auch dafür sorgt der Märchenpass: Er lädt ein, in fünf Hallenbäder oder im Freibad nach Herzenslust plantschen – natürlich kostenlos. Wer beim Angeln auf entspannen möchte, erhält die Angelscheine 25 Prozent günstiger.
Weitere Informationen:
Reiseziel: Odense ist die Hauptstadt der dänischen Insel Fünen. Ein acht Kilometer langer Kanal verbindet den Geburtsort Andersens mit dem O-dense Fjord. Anreise: Direkte Autobahnanbindung ohne Fährpassage via Flensburg und Kolding, von dort auf der E 20 bis Odense. Alternativ: bis Fynshav auf Als, weiter mit der Fähre (50 Minuten) nach Bojden auf Fü-nen. Intercity-Bahnverbindung via Fredericia (ohne Fähre). Die nächsten Flughäfen sind in Billund (103 km) und Kopenhagen-Kastrup (164 km).
Märchenhaft entdecken:
Odense Märchenpass (Odense Eventyr Pass)
24 Stunden-Pass: Erwachsene 120 Kronen (16,25 Euro), Kinder unter 14 Jahre: 65 Kronen (9 Euro). 48 Stunden-Pass: Erwachsene 160 Kronen (21,50 Euro), Kinder unter 14 Jahre: 85 Kronen (11,50 Euro). ). Kinder unter vier Jahren kostenlos (im Zoo: unter drei, im Eisenbahnmuseum: unter fünf).
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